Inhalt
Reality Check
Stand: Oktober 2026
- Belegt
- 11 Aussagen
Kurz gesagt: Lade die Installations-ISO auf den Storage local, starte
den Assistenten über Create VM und nimm überall die paravirtualisierten
VirtIO-Geräte: VirtIO SCSI single als Controller, SCSI als Disk-Bus, VirtIO
als Netzwerkkarte. Beim CPU-Typ ist host auf einem Einzelrechner meist die
beste Wahl. Hak den QEMU Guest Agent an und installier ihn danach im
Gastsystem.
Grundlage dieser Anleitung ist der offizielle Proxmox VE Administration Guide (Stand Oktober 2026, Version 9.2).
Die Kurzfassung für eine erste Debian-VM steht schon in Proxmox VE installieren. Hier geht es um die Frage dahinter: Was bedeutet jede Einstellung, und wann weichst du von den Vorgaben ab?
Was du brauchst #
- Einen eingerichteten Proxmox-VE-Host. Aktuell ist Proxmox VE 9.2, erschienen im Mai 2026 auf Basis von Debian 13 „Trixie“Belegt.
- Die Installations-ISO des Gastsystems, zum Beispiel Debian netinst.
- Freien Platz auf einem Storage für VM-Disks, standardmäßig
local-lvmoderlocal-zfs. - Eine Vorstellung, wofür die VM gedacht ist. Für einzelne Linux-Dienste ist oft ein Container die schlankere Wahl, mehr dazu in Docker in Proxmox: VM oder LXC?.
Kurz zum Begriff VirtIO: Das sind virtuelle Geräte, die nicht echte Hardware nachahmen, sondern für Virtualisierung gebaut sind. Das Gastsystem weiß, dass es in einer VM läuft, und arbeitet direkt mit dem Hypervisor zusammen. Proxmox empfiehlt VirtIO-Geräte ausdrücklich, weil sie deutlich schneller und besser gepflegt sind als emulierte Controller und NetzwerkkartenBelegt.
Schritt 1: ISO hochladen #
In der Weboberfläche: Knoten aufklappen, Storage local wählen, dann ISO Images. Dort hast du zwei Wege:
- Upload: ISO von deinem Rechner hochladen.
- Download from URL: Proxmox lädt die ISO direkt aus dem Netz auf den Storage. Optional kannst du eine Prüfsumme von der Download-Seite der Distribution angeben, gegen die Proxmox die Datei prüft.
Per Kommandozeile landen ISOs auf dem Storage local im Verzeichnis
/var/lib/vz/template/iso/.
Schritt 2: General und OS #
Klick oben rechts auf Create VM.
- General: Die VM ID ist eine eindeutige Nummer, unter der Proxmox die
VM verwaltet. Vergib einen sprechenden Name, etwa
debian-docker. - OS: Die hochgeladene ISO auswählen und den Gasttyp korrekt setzen, bei Linux also Linux mit aktueller Kernelversion. Der Gasttyp lässt Proxmox interne Details anpassen, etwa ob die Uhr der VM in Ortszeit oder UTC läuft.
Schritt 3: System – Firmware, Maschinentyp, Controller #
Hier stecken die meisten Entscheidungen, die du später nur noch mühsam änderst.
Firmware (BIOS): Zur Wahl stehen SeaBIOS (klassisches BIOS) und OVMF (UEFI). Laut Dokumentation wechselst du in den meisten Fällen nur dann von SeaBIOS auf OVMF, wenn du PCIe-Geräte durchreichen willstBelegt. Verlangt das Gastsystem UEFI, wie Windows 11 oder Home Assistant OS, ist OVMF ebenfalls nötig. Dann legst du eine EFI-Disk an, in der die VM ihre UEFI-Einstellungen speichert. Die Option Pre-Enroll keys hinterlegt Secure-Boot-Schlüssel und schaltet damit Secure Boot ein.
Maschinentyp: Standard ist i440fx. q35 bietet einen virtuellen
PCIe-Bus und ist die Wahl, wenn du später PCIe-Hardware wie eine Grafikkarte
durchreichen willst.
SCSI-Controller: VirtIO SCSI single zusammen mit der Disk-Option IO Thread ist die empfohlene Kombination für gute Leistung und seit Proxmox VE 7.3 Standard für neue Linux-VMsBelegt.
Qemu Agent: Hak das Feld an, wenn du den Gast-Agenten im System installieren wirst. Was er bringt, steht in Schritt 8.
Schritt 4: Disks #
- Bus/Device: SCSI. IDE und SATA sind nur für sehr alte Systeme oder Sonderfälle gedacht.
- Storage und Größe:
local-lvmbzw.local-zfs; für ein schlankes Linux reichen 20 bis 32 GB. Vergrößern geht später, verkleinern nicht ohne Weiteres. - Cache: Bei der Vorgabe No cache lassen. Die Dokumentation beschreibt sie als guten Kompromiss aus Sicherheit und GeschwindigkeitBelegt.
- Discard: Aktivieren, wenn der Storage Thin Provisioning kann (bei
local-lvmund ZFS ja). Dann gibt der Gast gelöschte Blöcke per TRIM an den Storage zurück, und die Disk-Datei schrumpft wieder. - SSD emulation: Meldet dem Gast eine SSD. Manche Systeme schicken nur dann TRIM-Befehle.
- IO thread: Aktiviert lassen, wenn VirtIO SCSI single gewählt ist.
Schritt 5: CPU #
Sockets und Cores: Für die Leistung ist es fast egal, ob du 1 Socket mit 4 Kernen oder 2 Sockets mit 2 Kernen nimmst. Im Zweifel empfiehlt die Dokumentation 2 Kerne als sicheren StartwertBelegt. Du darfst in Summe mehr virtuelle Kerne verteilen, als der Host hat, nur nicht mehr an eine einzelne VM.
Type: Das ist die Entscheidung mit dem größten Einfluss.
Neue VMs bekommen in der Oberfläche
x86-64-v2-AES, ein virtuelles CPU-Modell, das auf Intel ab Westmere und AMD
ab Opteron der vierten Generation läuft. Wer keine Live-Migration zwischen
unterschiedlichen Rechnern braucht, soll laut Dokumentation host
nehmenBelegt. Dann sieht die VM alle Funktionen deiner echten CPU.
Für ein Homelab mit einem Server heißt das: host. Planst du einen Cluster
mit gemischter Hardware, nimm das niedrigste gemeinsame Modell.
Schritt 6: Memory #
Trag die gewünschte Größe ein, etwa 2048 MB für einen kleinen Linux-Server. Unter Advanced findest du:
- Minimum memory: Liegt der Wert unter dem Maximum, gibt Proxmox der VM bei freiem Host-Speicher mehr und nimmt ihn bei Knappheit wieder zurück.
- Ballooning Device: Die Dokumentation rät, es eingeschaltet zu lassen, auch bei fester Größe, weil Proxmox darüber sieht, wie viel Speicher der Gast wirklich nutzt. Für den Host soll immer mindestens 1 GB RAM frei bleibenBelegt.
Schritt 7: Network #
- Bridge:
vmbr0. Die VM hängt dann wie ein eigenes Gerät in deinem Netz und bekommt ihre Adresse von deinem Router oder statisch. - Model: VirtIO (paravirtualized). Intel E1000 und Realtek sind für Systeme ohne VirtIO-Treiber gedacht.
- VLAN Tag: Nur ausfüllen, wenn du VLANs nutzt und die Bridge dafür eingerichtet ist.
- Firewall: Aktiviert lassen schadet nicht. Wirksam wird die Proxmox-Firewall aber erst, wenn du sie auch auf Datacenter-Ebene einschaltest, denn dort ist sie ab Werk komplett aus.
Auf der Seite Confirm kannst du Start after created anhaken. Danach öffnest du die Installation im Reiter Console.
Schritt 8: Guest Agent im System einrichten #
Nach der Installation des Gastsystems, bei Debian und Ubuntu:
apt update
apt install qemu-guest-agent
systemctl start qemu-guest-agentÜber den Agenten zeigt Proxmox die
IP-Adressen der VM an, und bei Backups im Snapshot-Modus friert er das
Dateisystem kurz ein, damit ein konsistenter Stand gesichert wird. Nach dem
Aktivieren der Option in Proxmox ist ein vollständiger Neustart der VM
nötigBelegt. Gemeint ist Stopp und Start aus Proxmox, nicht ein
reboot im Gast.
Soll die VM mit dem Host starten:
qm set <VMID> --onboot 1Das Gleiche per Kommandozeile #
Alles oben lässt sich auch mit qm auf dem Host anlegen. Ein Beispiel mit
Werten aus diesem Guide (ISO-Name an deine Datei anpassen):
qm create 120 --name debian-docker --ostype l26 \
--cores 2 --cpu host --memory 2048 \
--scsihw virtio-scsi-single \
--scsi0 local-lvm:32,discard=on,iothread=1,ssd=1 \
--net0 virtio,bridge=vmbr0 \
--cdrom local:iso/debian-13-amd64-netinst.iso \
--agent enabled=1Windows als Gast #
Windows bringt keine VirtIO-Treiber mit. Die Treiber stammen aus dem Open-Source-Projekt
virtio-win und kommen als ISO, die du in der VM als zusätzliches CD-Laufwerk
einbindest; dort liegt auch der Guest Agent für Windows. Das Proxmox-Wiki
nennt jeweils die Version, die es derzeit empfiehltBelegt. Lade die ISO
wie die Windows-ISO auf den Storage local und hänge sie über
Hardware → Add → CD/DVD Drive an, damit der Windows-Installer die
VirtIO-Disk überhaupt findet. Für Windows 11 brauchst du außer UEFI auch ein
virtuelles TPM: Es wird über
Hardware → Add → TPM State hinzugefügtBelegt; nimm dort Version v2.0.
Typische Fehler und Lösungen #
- „KVM virtualisation configured, but not available“: Virtualisierung (Intel VT-x bzw. AMD-V) ist im BIOS des Hosts aus.
- VM startet nicht wegen CPU-Funktionen: Das gewählte CPU-Modell verlangt
Funktionen, die dein Prozessor nicht hat. Auf
hostoder ein älteres Modell wechseln. - UEFI-VM bootet nur in die UEFI-Shell: Boot-Reihenfolge unter Options → Boot Order prüfen. Startet ein unsigniertes System nicht, war Pre-Enroll keys aktiv und damit Secure Boot an.
- Keine IP in der Übersicht: Agent installiert, Option gesetzt, aber VM nie aus Proxmox komplett neu gestartet.
- Disk-Platz auf
local-lvmwird nicht frei: Discard war bei der Disk nicht aktiv, oder der Gast führt kein TRIM aus. Unter Linux hilftfstrim -avim Gast.
Sicherheitshinweise #
- Lade ISOs nur von den offiziellen Seiten der Distribution und vergleiche die Prüfsumme.
- Eine VM ist besser isoliert als ein Container, weil sie einen eigenen Kernel hat. Dienste, die aus dem Internet erreichbar sind, gehören deshalb eher in eine VM.
- Richte für jede VM ein Backup ein, bevor sie wichtige Daten trägt. Ein Snapshot vor Updates ersetzt kein Backup auf einem anderen Gerät.
Was heißt das für dich? #
Mit den Vorgaben des Assistenten machst du wenig falsch. Die drei
Einstellungen, die du bewusst setzen solltest, sind VirtIO für Disk und Netz,
der CPU-Typ host auf einem Einzelrechner und der Guest Agent. Wenn du
UEFI brauchst, entscheide das gleich beim Anlegen, denn ein späterer Wechsel
der Firmware ist aufwendig: Das installierte System muss dann auf eine andere
Art booten. Läuft der
Server rund um die Uhr, lohnt danach der Blick auf
den Stromverbrauch des Proxmox-Hosts.
Quellen
Offizielle Dokumentation · 2026
Proxmox VE Administration Guide — QEMU/KVM Virtual Machines (externer Link, neues Fenster) — Proxmox Server Solutions
Offizielle Dokumentation · 2026
Proxmox VE Roadmap — Release History (externer Link, neues Fenster) — Proxmox Server Solutions
Offizielle Dokumentation · 2026
Proxmox VE Wiki — Windows VirtIO Drivers (externer Link, neues Fenster) — Proxmox Server Solutions
Häufige Fragen
Welchen CPU-Typ soll ich für eine Proxmox-VM wählen?
SeaBIOS oder OVMF (UEFI) für eine Proxmox-VM?
Warum zeigt Proxmox die IP-Adresse meiner VM nicht an?
Wie viel RAM darf ich meinen VMs insgesamt zuweisen?
Passt dazu
Werkzeug, Übung und eigene Messung zum Thema.
Weiterlesen
- Proxmox
Proxmox VE installieren: Schritt für Schritt zum ersten Hypervisor
Proxmox VE von der ISO bis zur ersten VM: Installation, Dateisystem-Wahl, No-Subscription-Repository, Updates und die ersten sinnvollen Einstellungen.
- Docker
Docker in Proxmox: VM oder LXC-Container?
Docker unter Proxmox läuft in einer VM oder im LXC — aber nur einer der beiden Wege ist offiziell empfohlen. Die Architektur erklärt, beide Wege konkret gezeigt, mit ehrlicher Entscheidungshilfe.
- Proxmox
Proxmox-Stromverbrauch senken: C-States, powertop und ASPM
Warum Proxmox-Hosts im Idle oft mehr ziehen als nötig — und wie du mit BIOS-Einstellungen, CPU-Governor, powertop --auto-tune und ASPM den Verbrauch drückst.