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Obsidian + Claude: ein zweites Gehirn fürs Homelab
Von Niclas Hennrich
Was ich gefunden habe: Die Kombination aus Obsidian und einem KI-Assistenten wie Claude als „zweites Gehirn" — ein Ort, an dem alle Notizen, Setups und Entscheidungen liegen, und eine KI, die diesen Ort tatsächlich kennt. Die Idee taucht gerade überall auf, und sie passt erstaunlich gut ins Homelab.
Moment — was ist Obsidian? #
Obsidian ist eine kostenlose Notiz-App mit einem entscheidenden Unterschied zu Notion, Evernote & Co.: Deine Notizen sind einfache Textdateien (Markdown) in einem ganz normalen Ordner auf deinem Rechner. Kein Konto nötig, keine Cloud-Pflicht, kein proprietäres Format. Obsidian legt darüber eine Oberfläche mit Verlinkung zwischen Notizen, Suche und einer Graph-Ansicht, die zeigt, wie dein Wissen zusammenhängt.
Für Homelab-Leute ist genau das der Reiz: Die Daten gehören dir, liegen lokal, lassen sich mit den eigenen Mitteln sichern und synchronisieren — und funktionieren zur Not auch ohne Obsidian, weil es eben nur Textdateien sind.
Und was hat eine KI damit zu tun? #
ChatGPT und Claude sind Sprachmodelle — Programme, die Text verstehen und erzeugen. Normalerweise haben sie ein Problem: Sie kennen deine Notizen nicht. Du kannst zwar einzelne Schnipsel in ein Chatfenster kopieren, aber das skaliert nicht.
Weil Obsidian-Notizen einfache Dateien in einem Ordner sind, ändert sich das: Ein KI-Werkzeug mit Dateizugriff — etwa die Claude-Desktop-App oder Claude Code im Terminal — kann den Notizordner direkt lesen. Dann werden Fragen möglich wie „Warum habe ich mich letztes Jahr gegen VLAN 30 für die Kameras entschieden?", „Welche Container laufen laut meinen Notizen noch auf dem alten Host?" oder „Wo widerspricht sich meine Doku?". Die KI antwortet nicht aus dem Internet, sondern aus deinem eigenen Wissen.
Mein zweites Gehirn ist (noch) kein Obsidian #
Ehrliche Offenlegung: Ich nutze dafür bisher gar kein Obsidian. Mein Homelab-Journal ist ein Ordner strukturierter Markdown-Dateien in einem Git-Repository — jeder Eintrag mit Ziel, Durchführung, Problemen und Erkenntnissen. Darauf arbeite ich direkt mit Claude Code im Terminal, und ein kleines Skript exportiert ausschließlich freigegebene Einträge, aus denen Inhalte für diese Website entstehen.
Der Punkt ist: Das Prinzip ist exakt dasselbe. Obsidian ist eine komfortable Oberfläche über dem, was wirklich zählt — einfache Textdateien, auf denen Werkzeuge aufsetzen können: eine KI, ein Importskript, eine Website, was auch immer als Nächstes kommt. Ob du mit Obsidian startest oder mit einem nackten Markdown-Ordner im Git-Repo, ist Geschmackssache; wichtig ist nur, dass du bei Textdateien bleibst. Für die Software-Arbeit nutze ich übrigens noch eine dritte Ausprägung desselben Prinzips: eine lokale Markdown-Wissensbasis mit VitePress als Oberfläche — mehr dazu auf der Projektseite der Engineering Knowledge Base.
Was das konkret bringt, hat mir das eigene Setup gleich am ersten Tag
gezeigt: Beim Strukturieren des Journals mit Claude fiel auf, dass im
Repo sensible Arbeitsdateien ungeschützt herumlagen — Tokens, Cookies,
ein Firewall-Config-Backup — während der Sync-Workflow stumpf alles
eincheckte, was da war. Ergebnis: eine gepflegte .gitignore und eine
Secret-Prüfung, die den Export blockiert, bevor so etwas je öffentlich
werden kann. Genau diese Sorte Fund macht eine KI, die deine Ablage
wirklich kennt, wertvoll.
Die ehrliche Einschränkung #
Zwei Dinge sollte man wissen. Erstens: Wenn Claude oder ChatGPT deine Notizen liest, verlassen diese Inhalte deinen Rechner und gehen an den Anbieter. Passwörter, Schlüssel und Zugangsdaten gehören ohnehin in den Passwortmanager statt in Notizen — aber auch sonst lohnt die Frage, welche Ordner man einer KI zeigt und welche nicht. Wer das gar nicht will, landet bei lokalen Modellen auf eigener Hardware — ein Thema für einen eigenen Artikel.
Zweitens: Ein zweites Gehirn funktioniert nur, wenn das erste schreibt. Die KI kann Notizen durchsuchen, verdichten und Lücken finden — aber Notizen, die eine KI für dich erzeugt und die du nie liest, sind kein Wissen, sondern Datenmüll mit gutem Gewissen.
Für wen: Alle, die ihr Homelab (oder irgendetwas anderes) ohnehin in Textdateien dokumentieren — oder damit anfangen wollen — und sich fragen, was der KI-Hype konkret für sie tun kann. Ein ausführlicher Vergleich der Doku-Werkzeuge (Obsidian, Wiki, Docs-Site) steht auf der Projektliste.