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Backup-Strategie für zuhause: Die 3-2-1-Regel praktisch umgesetzt

RAID ist kein Backup: Wie du mit der 3-2-1-Regel, Versionierung und einer Offsite-Kopie deine Daten wirklich absicherst — mit konkretem Setup fürs Homelab.

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Es ist der teuerste Satz im Selfhosting: „Meine Daten liegen doch im RAID.“ RAID (und auch RAIDZ) schützt vor genau einem Szenario — Plattenausfall. Gegen versehentliches Löschen, Ransomware, Blitzschlag, Diebstahl, ein kaputtes Dateisystem oder den eigenen Konfigurationsfehler hilft nur ein echtes Backup. Hier ist die Strategie, die sich seit Jahrzehnten bewährt — heruntergebrochen auf ein Zuhause mit Homeserver.

Die 3-2-1-Regel

  • 3 Kopien deiner Daten (Original + 2 Backups)
  • auf 2 verschiedenen Medien/Systemen
  • davon 1 außer Haus (offsite)

Warum jede Ziffer zählt: Zwei Kopien im selben Gehäuse sterben gemeinsam (Netzteil, Überspannung). Zwei Kopien im selben Haus sterben gemeinsam (Feuer, Wasser, Einbruch). Erst die Offsite-Kopie macht aus „Redundanz“ eine Versicherung.

Regel Nummer null: Versionierung

Ein Backup, das nur den aktuellen Stand spiegelt, kopiert auch jeden Fehler mit: Die von Ransomware verschlüsselte Datei ersetzt brav die gesunde Kopie. Deshalb brauchen Backups Versionen/Snapshots — den Stand von gestern, letzter Woche, letztem Monat. Moderne Backup-Tools (restic, Borg, Proxmox Backup Server, Synology Hyper Backup) machen das automatisch und speicherschonend (Deduplizierung).

Was gehört überhaupt ins Backup?

Priorisiere ehrlich — nicht alles ist gleich wichtig:

KategorieBeispieleStrategie
UnersetzlichFotos, Dokumente, Paperless-Archiv, Vaultwardenvolle 3-2-1, versioniert, regelmäßig getestet
Mühsam ersetzbarKonfigurationen, Docker-Volumes, VM-Imagesversioniertes Backup, mindestens lokal + Kopie
ErsetzbarMedienbibliothek, ISO-Sammlungen, Container-Imagesoptional; oft reicht die Redundanz im Array

Die Medien-Sammlung dreimal vorzuhalten sprengt jedes Budget — und ist meist unnötig. Die 50 GB Paperless + Fotos dagegen passen in jeden Plan.

Ein konkretes Setup fürs typische Homelab

Annahme: ein Proxmox-Server mit Diensten, Daten auf einem NAS oder im Server selbst.

  1. Kopie 1 — das Original auf dem Server/NAS (gern mit RAID/RAIDZ gegen Plattenausfall und Snapshots gegen „Ups“).
  2. Kopie 2 — lokales Backup: nächtlich auf ein zweites Gerät oder mindestens eine USB-Platte: VMs/LXCs per Proxmox-Backup (vzdump oder PBS), Datei-Daten per restic/Borg. Wichtig: eigenes Gerät, eigene Zugangsdaten — ein kompromittierter Server darf sein Backup nicht löschen können (Pull-Prinzip oder Append-only-Modus).
  3. Kopie 3 — offsite: je nach Datenmenge und Vertrauen:
    • Cloud-Storage (verschlüsselt durch restic/Borg — der Anbieter sieht nur Datenmüll); Storage-Boxen oder S3-kompatible Angebote kosten für die „unersetzlich“-Kategorie wenige Euro im Monat
    • Die Verwandten-Platte: eine verschlüsselte USB-Platte, die bei Eltern/Freunden liegt und bei Besuchen rotiert wird — Low-Tech, aber vollwertig offsite
    • Zweiter Standort per VPN: ein kleiner Rechner bei Familie, erreichbar über WireGuard, als Replikationsziel

Automatisieren oder es passiert nicht

Manuelle Backups sterben nach drei Wochen Motivation. Deshalb:

  • Zeitplan im Tool (Proxmox-Backup-Jobs, systemd-Timer für restic)
  • Monitoring: Ein Backup, das seit Wochen fehlschlägt, ist keins. Minimal: E-Mail bei Fehlern. Besser: ein Heartbeat — der Job meldet sich nach Erfolg bei Uptime Kuma (Push-Monitor), und Ausbleiben alarmiert.
  • Restore-Test: Der einzige Beweis, dass ein Backup existiert, ist eine gelungene Wiederherstellung. Einmal pro Quartal eine Datei und einmal eine komplette VM zurückholen — ernsthaft, in den Kalender damit.

Häufige Fehler

  • RAID als Backup zählen — siehe oben, das Original ist eine Kopie, egal wie redundant.
  • Backup auf dem selben Gerät („zweite Partition“) — stirbt mit dem Gerät.
  • Sync statt Backup: Nextcloud/Syncthing spiegeln Löschungen sofort auf alle Geräte. Sync ist Komfort, kein Backup.
  • Unverschlüsselte Offsite-Kopie — die Verwandten-Platte kann gestohlen werden; restic/Borg/LUKS lösen das nebenbei.
  • Backup-Ziel dauerhaft gemountet: Ransomware verschlüsselt alles, was sie erreichen kann. Ziele nur zum Backup-Zeitpunkt verbinden oder Append-only betreiben.

Fazit

Eine Backup-Strategie fürs Zuhause ist keine Enterprise-Wissenschaft: die unersetzlichen Daten identifizieren, 3-2-1 mit Versionierung dafür umsetzen, automatisieren, überwachen, testweise wiederherstellen. Ein Wochenende Arbeit — gegen den einen Tag, an dem alles davon abhängt.