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Warum sind Festplatten, SSDs und Grafikkarten gerade so teuer?

NAS-Platten und NVMe-SSDs kosten 2026 rund das Zweieinhalbfache des Vorjahres, Grafikkarten ziehen nach. Woher das kommt, was belegt ist — und was das für dein NAS oder deinen Homeserver heißt.

Von Niclas Hennrich · Veröffentlicht: · 7 Min. Lesezeit

Reality Check

Stand: Oktober 2026

Belegt
9 Aussagen
Herstellerangabe
5 Aussagen

14 Quellen · Was die Stufen bedeuten


Kurz gesagt: Festplatten, SSDs, Arbeitsspeicher und Grafikkarten sind 2026 so teuer, weil die wenigen Hersteller dieser Bauteile ihre Produktion bevorzugt an Rechenzentren für künstliche Intelligenz verkaufen. Die zahlen mehr, kaufen in riesigen Mengen und sichern sich Ware über Jahre im Voraus. Für den Endkundenmarkt — also für dein NAS, deinen Homeserver oder deinen Gaming-PC — bleibt weniger übrig, und das zu deutlich höheren Preisen. Neue Fabriken, die das ändern könnten, fahren nach Einschätzung von Marktforschern erst ab der zweiten Jahreshälfte 2027 hoch.

Das ist keine gefühlte Teuerung. Die folgenden Zahlen stammen aus Preiserhebungen mit offengelegter Methode, aus Mitteilungen der Hersteller und vom Marktforscher TrendForce, der die sogenannten Vertragspreise erhebt — die Preise, zu denen Hersteller an Großkunden verkaufen, bevor irgendetwas im Handel ankommt.

Wie teuer ist es wirklich? #

ComputerBase verfolgt jeweils zwölf beliebte Produkte pro Kategorie im eigenen Preisvergleich, ohne eBay und Amazon-Marketplace. Zwischen Mitte September 2025 und Mitte Oktober 2026 stiegen die Preise dort im Schnitt um 146 Prozent bei Festplatten, um 146 Prozent bei SSDs und um 419 Prozent bei ArbeitsspeicherBelegt. Einige Beispiele aus dieser Erhebung:

ProduktSept. 2025Okt. 2026
WD Red Plus 4 TB (NAS-HDD)100 €209 €
WD Red Plus 8 TB (NAS-HDD)170 €350 €
Seagate IronWolf Pro 16 TB (NAS-HDD)313 €694 €
Samsung 990 Pro 2 TB (NVMe)146 €359 €
Samsung 990 Evo Plus 4 TB (NVMe)240 €597 €
Kingston NV3 1 TB (NVMe)50 €144 €

Ein zweiter, unabhängiger Index kommt zum selben Bild. 3DCenter wertet den jeweils günstigsten Geizhals-Preis aus: Gegenüber Juli 2025 kosteten interne SSDs im Oktober 2026 das 2,5-Fache und interne Festplatten das 2,6-Fache; Grafikkarten lagen beim 1,65-Fachen des Standes vom September 2025Belegt. Bei Grafikkarten zog es zuletzt besonders an: Im selben Index stieg der günstigste Preis einer GeForce RTX 5090 binnen eines Monats um 29 Prozent auf 6.790 Euro.

Auch die amtliche Statistik zeigt die Richtung, wenn auch gröber, weil sie keine eigene Reihe für Festplatten oder Grafikkarten führt. Laut Statistischem Bundesamt kosteten Personal-Computer im September 2026 13,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Speicherkarten und USB-Sticks 20,7 Prozent mehrBelegt.

Ursache 1: Speicherchips wandern in KI-Rechenzentren #

Fast alles in dieser Geschichte hängt an zwei Sorten Speicherchips: DRAM (Arbeitsspeicher, auch der Grafikspeicher auf Grafikkarten) und NAND-Flash (der Speicher in SSDs, NVMe-Laufwerken, USB-Sticks). Beide werden von einer Handvoll Firmen gefertigt, vor allem Samsung, SK hynix und Micron, bei NAND zusätzlich Kioxia und SanDisk.

KI-Beschleuniger brauchen einen besonderen, extrem schnellen Speicher namens HBM (High Bandwidth Memory): mehrere DRAM-Chips übereinander gestapelt, direkt neben dem Rechenchip. HBM ist für die Hersteller profitabler als gewöhnlicher Arbeitsspeicher — und er entsteht in denselben Fabriken. TrendForce beschreibt für das zweite Quartal 2026, dass die DRAM-Hersteller Kapazität zu HBM und Server-Speicher verlagern und gleichzeitig die Lieferungen an PC-Hersteller und Modulhersteller gekürzt habenBelegt.

Die Folge zeigt sich zuerst bei den Vertragspreisen. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Vertragspreise für gewöhnlichen DRAM laut TrendForce um rund 93 bis 98 Prozent gegenüber dem VorquartalBelegt — sie haben sich also in drei Monaten ungefähr verdoppelt.

Wie ernst die Hersteller die Verschiebung nehmen, zeigt ein Schritt von Micron. Micron gab im Dezember 2025 den Ausstieg aus dem Endkundengeschäft unter der Marke Crucial bekannt; ausgeliefert wurde nur noch bis Februar 2026, um größere strategische Kunden in schneller wachsenden Segmenten besser zu versorgenHerstellerangabe. Einer der drei großen Arbeitsspeicher-Hersteller verkauft damit keine Speicherriegel und SSDs mehr direkt an Endkunden.

Ursache 2: SSDs und NVMe — auch Rechenzentren brauchen Flash #

Bei SSDs kommt ein zweiter Effekt dazu: KI-Anwendungen im laufenden Betrieb brauchen nicht nur Rechenleistung, sondern auch schnellen Massenspeicher in großen Mengen. TrendForce erwartet für 2026 über 80 Prozent mehr Nachfrage nach Speicherkapazität für Enterprise-SSDs; im vierten Quartal sind Enterprise-SSDs die einzige Speicherkategorie, deren Preise noch schneller steigen als zuvorBelegt.

Gleichzeitig fließt das Geld der Hersteller woandershin. Die Hersteller investieren laut TrendForce vorrangig in DRAM und HBM, was neue NAND-Kapazität begrenztBelegt. Weniger neue Fertigung bei steigender Nachfrage — das erklärt, warum eine 2-TB-NVMe-SSD heute mehr als doppelt so viel kostet wie vor einem Jahr.

Ursache 3: Festplatten sind auf Jahre ausverkauft #

Man könnte meinen, die gute alte Festplatte sei vom KI-Boom verschont. Das Gegenteil ist der Fall: Rechenzentren speichern Trainingsdaten, Modelle und Ergebnisse auf riesigen Festplatten-Farmen, sogenannten Nearline-Laufwerken. Es gibt nur noch drei Festplattenhersteller — Seagate, Western Digital und Toshiba.

Seagate-Chef Dave Mosley sagte im Juli 2026, der Großteil der Nearline-Kapazität des Unternehmens sei bereits bis ins Kalenderjahr 2028 vergeben; Finanzchef Gianluca Romano ergänzte, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage sei etwas größer als noch vor einigen QuartalenHerstellerangabe. Western Digital nannte sich schon im Februar 2026 für das gesamte Kalenderjahr „pretty much sold out“Herstellerangabe — praktisch ausverkauft.

Dazu kommt ein Technikwechsel. Für höhere Kapazitäten stellen die Hersteller auf HAMR um (Heat-Assisted Magnetic Recording: ein Laser erhitzt die Plattenoberfläche punktuell beim Schreiben, damit sich Daten dichter packen lassen). Laut TrendForce verlangt diese Umstellung hohe Investitionen in neue Fertigungslinien, begrenzt das Kapazitätswachstum und wird über höhere Preise weitergegeben; der Durchschnittspreis pro Gigabyte stieg schon im Herbst 2025 von 0,012 bis 0,013 auf 0,015 bis 0,016 US-DollarBelegt.

NAS-Festplatten für zuhause kommen von denselben drei Herstellern. Wenn deren Produktion auf Jahre an Großkunden verplant ist, bleibt für den Handel weniger übrig — die Preise oben zeigen, wie sich das auswirkt.

Ursache 4: Grafikkarten — der Speicher macht den Preis #

Grafikkarten trifft es auf zwei Wegen. Erstens steckt auf jeder Karte DRAM — Grafikspeicher vom Typ GDDR6 oder GDDR7. TrendForce berichtet, dass Hersteller die GDDR6-Produktion zurückfahren und GDDR7 knapp bleibt, weil die modernen Fertigungslinien für Server-Speicher genutzt werden; Grafikspeicher bleibe deshalb auf PreissteigerungskursBelegt.

Zweitens ist auch der wichtigste Grafikchip-Hersteller selbst knapp dran. NVIDIA schrieb im Bericht zum Ende Januar 2026 abgeschlossenen Quartal, Lieferengpässe würden das Gaming-Geschäft ab dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 belastenHerstellerangabe — also seit Ende Januar 2026. Im August 2026 sprach NVIDIA-Finanzchefin Colette Kress von „extremen“ Preisbedingungen bei Speicher, die noch weiter steigen würden; die Knappheit werde zu großen Teilen vom KI-Ausbau selbst verursachtHerstellerangabe.

Wann wird es wieder günstiger? #

Ehrliche Antwort: Das weiß niemand sicher. Es gibt nur Prognosen, und die sind sich in der Richtung einig. TrendForce erwartete im Juli 2026, dass neue DRAM-Kapazität frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027 hochfährt und nennenswerte Mengen erst 2028 liefert; für Flash-Speicher (SSDs) sah TrendForce eine Entspannung ab der zweiten Jahreshälfte 2027 (Ausblick). NVIDIA rechnet damit, dass das Angebot mindestens bis Ende seines Geschäftsjahres 2028 ein Engpass bleibt. Für Festplatten gibt es keine belastbare Preisprognose — die langen Vorabverkäufe bei Seagate sprechen aber nicht für eine schnelle Entspannung.

Wichtig für die Einordnung: Vertragspreise der Hersteller kommen mit Verzögerung im Handel an. Selbst wenn die Vertragspreise langsamer steigen, können die Ladenpreise also noch eine Weile nachziehen.

Was heißt das für dein NAS oder deinen Homeserver? #

  • Kapazität nach Bedarf statt auf Vorrat. Rechne aus, wie viel Platz du in ein bis zwei Jahren wirklich brauchst, und plan das RAID passend dazu — der RAID-Rechner zeigt, wie viel nutzbarer Platz bei welcher Plattenzahl übrig bleibt. Ein NAS mit freien Einschüben lässt sich später erweitern, wenn die Preise wieder fallen.
  • Festplatten bleiben pro Terabyte deutlich günstiger. Aus den Preisen oben gerechnet kostet die IronWolf Pro 16 TB rund 43 Euro pro Terabyte, die Samsung 990 Evo Plus 4 TB rund 149 Euro pro Terabyte. Für Datengräber wie Medien und Backups ist die Festplatte also weiter die erste Wahl, SSDs lohnen sich für das System, Datenbanken und VMs.
  • Vorhandene Hardware länger nutzen. Wenn neue Teile teuer sind, lohnt ein alter PC als Homeserver umso mehr. Behalte die Gesundheit älterer Platten im Blick, etwa mit SMART-Monitoring, damit du einen Ausfall kommen siehst.
  • Gebraucht kaufen, aber prüfen. Gebrauchte Platten und SSDs können eine Lösung sein — lies vor dem Einsatz die SMART-Werte aus und rechne damit, dass sie früher ersetzt werden müssen.
  • Am Backup nicht sparen. Teurere Platten machen Backups teurer, aber verlorene Daten sind teurer. Wie du mit wenig Aufwand nach der 3-2-1-Regel sicherst, steht im eigenen Guide.

Wer gerade einen Rechner für lokale KI plant, trifft dieselben Ursachen gleich doppelt — Grafikspeicher und Arbeitsspeicher. Was dort realistisch nötig ist, erklärt Warum kostet lokale KI so viel Hardware?.

Quellen

  1. Sekundärquelle · 2026

    Speicherpreise im Check: Wann hört die Krise endlich auf? (externer Link, neues Fenster) — ComputerBase (Michael Günsch)

  2. Sekundärquelle · 2026

    Speicherkrise-Preisindex Oktober 2026 (externer Link, neues Fenster) — 3DCenter

  3. Universität / Institut · 2026

    Verbraucherpreisindex: Top 20 der Preisveränderungen (Stand 13.10.2026) (externer Link, neues Fenster) — Statistisches Bundesamt

  4. Universität / Institut · 2026

    DRAM- und NAND-Vertragspreise 2Q26 (Pressemitteilung, 31.03.2026) (externer Link, neues Fenster) — TrendForce

  5. Universität / Institut · 2026

    DRAM-Branchenumsatz 1Q26 (Pressemitteilung, 01.06.2026) (externer Link, neues Fenster) — TrendForce

  6. Universität / Institut · 2026

    NAND-Umsatz der fünf größten Hersteller 2Q26 (Pressemitteilung, 18.08.2026) (externer Link, neues Fenster) — TrendForce

  7. Universität / Institut · 2026

    Speicherpreise 4Q26 (Pressemitteilung, 30.09.2026) (externer Link, neues Fenster) — TrendForce

  8. Universität / Institut · 2026

    Ausblick DRAM und NAND 2027/2028 (30.07.2026) (externer Link, neues Fenster) — TrendForce / DRAMeXchange

  9. Universität / Institut · 2025

    HDD-Engpass, HAMR und Nearline-SSDs (Pressemitteilung, 14.10.2025) (externer Link, neues Fenster) — TrendForce

  10. Sekundärquelle · 2025

    Micron Announces Exit from Crucial Consumer Business (Mitteilung, abgedruckt) (externer Link, neues Fenster) — Micron via StorageNewsletter

  11. Sekundärquelle · 2026

    Seagate Earnings Call Fiscal Q4 2026 (Transkript) (externer Link, neues Fenster) — Seagate via Investing.com

  12. Sekundärquelle · 2026

    Western Digital is out of hard drives because of AI data centers (externer Link, neues Fenster) — PCWorld

  13. Hersteller · 2026

    NVIDIA CFO Commentary, Q4 Fiscal 2026 (SEC-Einreichung) (externer Link, neues Fenster) — NVIDIA

  14. Sekundärquelle · 2026

    NVIDIA Earnings Call Q2 Fiscal 2027 (Transkript) (externer Link, neues Fenster) — NVIDIA via The Motley Fool

Häufige Fragen

Warum sind SSDs und NVMe-Laufwerke 2026 so teuer?
Weil die Hersteller von Flash-Speicher (NAND) ihre Produktion bevorzugt an Rechenzentren verkaufen, die für KI große Mengen Enterprise-SSDs brauchen, und ihre Investitionen vor allem in Arbeitsspeicher und HBM stecken. Der Marktforscher TrendForce erwartete für das zweite Quartal 2026 allein ein Plus von 70 bis 75 Prozent bei den NAND-Vertragspreisen gegenüber dem Vorquartal.
Warum sind NAS-Festplatten so teuer geworden?
Weil die großen Hersteller ihre Festplatten für Rechenzentren auf Jahre vorab verkauft haben: Seagate sagte im Juli 2026, der Großteil seiner Nearline-Kapazität sei bis ins Jahr 2028 vergeben, Western Digital nannte sich schon im Februar 2026 für das ganze Jahr praktisch ausverkauft. Dazu kommt die teure Umstellung auf die neue Aufzeichnungstechnik HAMR.
Wann werden Festplatten und SSDs wieder günstiger?
Sicher sagen kann das niemand. TrendForce erwartete im Juli 2026 eine Entspannung bei Flash-Speicher (SSDs) ab der zweiten Jahreshälfte 2027 und bei Arbeitsspeicher nicht vor 2028, weil neue Fabriken erst dann nennenswert liefern. Das ist eine Prognose, keine Zusage.
Sollte ich jetzt ein NAS kaufen oder warten?
Kauf nur die Kapazität, die du in den nächsten ein bis zwei Jahren wirklich brauchst, statt auf Vorrat. Festplatten sind pro Terabyte weiterhin deutlich günstiger als SSDs, und vorhandene Hardware länger zu nutzen ist gerade besonders wirtschaftlich. Am Backup solltest du trotzdem nicht sparen: Verlorene Daten sind teurer als jede Platte.

Teil des Themen-Hubs Hardware fürs Homelab · Abschnitt „Kaufen & Kosten“

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