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Unraid vs. Proxmox vs. TrueNAS: Welches System für deinen Homeserver?
Die drei großen Homeserver-Systeme im ehrlichen Vergleich: Stärken, Schwächen, Storage-Philosophie und eine klare Empfehlung je nach Einsatzzweck.
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Die Frage kommt in jedem Homelab-Forum wöchentlich: Unraid, Proxmox oder TrueNAS? Die ehrliche Antwort: Es sind drei verschiedene Werkzeuge, die sich nur teilweise überlappen. Wer die Philosophie der drei versteht, kann die Entscheidung in fünf Minuten treffen.
Die Kurzfassung
| Proxmox VE | Unraid | TrueNAS | |
|---|---|---|---|
| Kern-Identität | Hypervisor | NAS mit App-Fokus | NAS mit ZFS-Fokus |
| Preis | kostenlos (Open Source) | kostenpflichtig (Lizenz) | kostenlos (Open Source) |
| Storage-Ansatz | flexibel (ZFS, LVM, Ceph …) | eigenes Array + Parität, Platten einzeln erweiterbar | ZFS, Pools fest geplant |
| VMs | exzellent (KVM) | gut | gut (KVM) |
| Container | LXC nativ; Docker via VM | Docker nativ, riesiger App-Katalog | Docker/Apps nativ |
| Zielgruppe | „Ich will virtualisieren“ | „Ich will ein bequemes Medien-/App-NAS“ | „Meine Daten sind mir heilig“ |
Proxmox VE: der Virtualisierer
Philosophie: Proxmox ist zuerst Hypervisor, alles andere ist Zubehör. VMs und LXC-Container sind erstklassig, Backups (vzdump/PBS), Snapshots und Migration gehören zum Kern. Storage ist flexibel, aber du musst wissen, was du willst — NAS-Komfortfunktionen (SMB-Shares zusammenklicken, Nutzerverwaltung) gibt es nicht in der Oberfläche; dafür baut man sich eine NAS-VM oder einen LXC.
Stärken: kostenlos, extrem ausgereift, riesige Community, keinerlei Lizenz-Lock-in, skaliert vom N100 bis zum Cluster. Schwächen: Lernkurve, kein „NAS out of the box“, Weboberfläche eher funktional als schön.
Nimm Proxmox, wenn du mehrere Dienste/VMs betreiben, viel lernen und maximal flexibel bleiben willst. Unser Installations-Guide bringt dich rein.
Unraid: das bequeme App-NAS
Philosophie: Unraid dreht die Storage-Logik um. Statt klassischem RAID nutzt es ein Array aus beliebig gemischten Platten mit dedizierter Paritätsplatte: Du kannst jederzeit eine einzelne größere Platte nachstecken — der historische Killer-Vorteil fürs organisch wachsende Medien-NAS. Dateien liegen als normale Dateien auf einzelnen Platten; fällt mehr aus als die Parität abdeckt, sind nur die Daten der defekten Platten betroffen. Dazu kommt ein sehr bequemer Docker-App-Katalog (Community Applications) und solide VM-Unterstützung.
Stärken: einfachste Plattenerweiterung, im Leerlauf können einzelne Platten schlafen (spart Strom — passt zum Stromkosten-Thema), große Einsteiger-Community. Schwächen: kostenpflichtig (gestaffelte Lizenzen nach Plattenanzahl, inzwischen teils im Abo-Modell — aktuelle Preise auf unraid.net prüfen), Array-Schreibleistung durch Paritätsprinzip begrenzt, kein Open Source.
Nimm Unraid, wenn dein Kern ein Medien-/Datenspeicher mit bunter Plattensammlung ist und du Komfort über Prinzipien stellst.
TrueNAS: die ZFS-Festung
Philosophie: TrueNAS (heute die Linux-basierte Variante, ehemals „SCALE“) ist um ZFS herum gebaut: Prüfsummen auf allem, Snapshots, Replikation, Selbstheilung bei Redundanz. Es ist das System für Leute, deren erste Frage lautet: „Wie sicher sind meine Daten?“ Apps laufen inzwischen auf Docker-Basis, VMs über KVM — beides gut, aber erkennbar zweite Priorität hinter dem Storage.
Stärken: ZFS in schön, kostenlos, professionelle Replikations- und Snapshot-Workflows, ausgezeichnet als Backup-Ziel. Schwächen: ZFS-Pools wollen geplant werden — das nachträgliche Erweitern ist besser geworden (RAIDZ-Expansion), bleibt aber unflexibler als Unraids Einzelplatten-Modell; RAM-Bedarf; weniger „App-Spielwiese“-Gefühl.
Nimm TrueNAS, wenn Datenintegrität dein Hauptziel ist — als reines NAS oder Backup-Ziel neben einem Proxmox-Host. Welche Kapazität bei RAIDZ übrig bleibt, zeigt der RAID- & ZFS-Rechner.
Die Kombinationen, die sich bewährt haben
In der Praxis ist die Antwort oft „zwei davon“:
- Proxmox als Host + NAS als VM/Dienst — maximale Flexibilität auf einer Maschine. Beliebt, erfordert aber saubere Disk-Durchreichung.
- Proxmox-Server + separates TrueNAS als Backup-Ziel — sauber getrennt, robust, unser Favorit für „Daten wichtig, Basteln trotzdem erwünscht“.
- Nur Unraid — wenn ein Gerät alles machen soll und Medien der Schwerpunkt sind.
Unsere Empfehlung in einem Satz
- Lernen + Virtualisieren + 0 € Budget: Proxmox.
- Medienserver mit wachsender Plattensammlung, Komfort zählt: Unraid.
- Datenarchiv/Backup mit maximaler Integrität: TrueNAS.
Für den typischen Labkompass-Leser — erster richtiger Homeserver, Docker, vielleicht Home Assistant, Budget knapp — ist Proxmox der beste Startpunkt: kostenlos, nichts verbaut, und jedes der anderen Systeme lässt sich später immer noch daneben- oder darunterstellen.