labkompass

Guides · OPNsense

OPNsense auf dem N100 als Haupt-Router: FritzBox nur noch als Access Point

Migration von der FritzBox zu OPNsense auf einem N100-Mini-PC — mit den Stolperfallen, die niemand vorher erzählt: gestrandete Geräte, DNS-Ausfallsicherheit und warum du nicht dauerhaft vom USB-Stick booten solltest.

Von Niclas Hennrich · Veröffentlicht: · aktualisiert · 6 Min. Lesezeit


Kurz gesagt: Stelle die FritzBox in den Access-Point-Modus (DHCP aus) und mach die OPNsense auf dem N100 zum einzigen Router mit DHCP — behalte dabei zwingend das bestehende Subnetz (meist 192.168.178.0/24), sonst stranden alle Geräte mit statischer IP. DNS bleibt am besten auf einem separaten Pi-hole, und OPNsense gehört auf eine SSD statt dauerhaft auf einen USB-Stick.

Es gibt zwei Wege, OPNsense ins Heimnetz zu bringen. Der eine ist OPNsense hinter der FritzBox — die FritzBox bleibt Router, OPNsense hängt dahinter. Der andere, konsequentere Weg ist der hier: OPNsense wird der Haupt-Router, und die FritzBox degradiert zu einem reinen WLAN-Access-Point. Dieser Guide beschreibt die Migration auf einem N100-Mini-PC — und vor allem die Stolperfallen, die einen sonst einen ganzen Nachmittag kosten.

Wann sich dieser Weg lohnt #

  • Du willst OPNsense als vollwertigen Router (VLANs, saubere Firewall, eigenes DNS, Port-Forwards) — nicht als zweite Instanz hinter der FritzBox.
  • Kein Doppel-NAT, keine Exposed-Host-Krücke.
  • Die FritzBox soll trotzdem bleiben — für WLAN und ggf. Telefonie.

Voraussetzung: Dein Anschluss lässt sich hinter ein eigenes Modem/Router-Gerät legen. Bei Kabel (z. B. Vodafone) hängt die OPNsense per WAN am Modem; die FritzBox macht nur noch WLAN.

Die Zielarchitektur #

Internet ── Modem
              │  WAN (DHCP, öffentliche IP)
         ┌──────────┐
         │ OPNsense │  N100-Mini-PC — Router, Firewall, DHCP
         │   LAN    │  z. B. 192.168.178.1/24
         └──────────┘
              │
          [Switch]
              ├── FritzBox  → nur noch Access Point (kein Router, kein DHCP!)
              ├── Server / NAS / Clients (per Kabel)
              └── WLAN-Geräte (über die FritzBox)

Wichtig: Nach der Migration macht nur noch die OPNsense Router, DHCP und Firewall. Die FritzBox verteilt keine IP-Adressen mehr — sonst hast du zwei DHCP-Server im selben Netz und wunderst dich über sporadische Ausfälle.

Warum ein N100? #

Der N100 ist 2026 der Sweet Spot für einen Home-Router: genug Takt für Multi-Gigabit-Routing, passiv oder sehr leise, sparsam im Verbrauch, und die üblichen Mini-PCs bringen zwei bis vier Intel-2.5G-Ports (igc) mit. Für einen Kabel- oder Glasfaseranschluss langweilt sich die CPU — der Router ist hier nie der Flaschenhals.

Schritt 1: Die FritzBox zum Access Point machen #

In der FritzBox-Oberfläche: Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkeinstellungen → IP-Adressen → „Access Point" (bzw. „IP-Client-Modus" / „vorhandenen Router im Heimnetz nutzen"). Dadurch:

  • schaltet die FritzBox ihren DHCP-Server ab,
  • hört auf zu routen,
  • bleibt aber als WLAN-AP und Switch nutzbar.

Verbinde anschließend einen LAN-Port der FritzBox (nicht den WAN/DSL-Port) mit deinem Switch bzw. der OPNsense-LAN-Seite. Die FritzBox bezieht ihre eigene IP dann von der OPNsense.

Schritt 2: Das LAN-Subnetz bewusst wählen — die wichtigste Entscheidung #

Hier lauert die Falle, die den größten Ärger macht. Behalte das Subnetz, das deine bestehenden Geräte schon nutzen. Wer von der FritzBox kommt, ist meist im 192.168.178.0/24 — dann gib der OPNsense-LAN genau dieses Netz (192.168.178.1/24).

Warum das so entscheidend ist: Alle Geräte mit statischer IP (NAS, Server, Pi-hole, Drucker) oder mit einer festen DHCP-Reservierung sind auf das alte Netz eingestellt. Setzt du die OPNsense stattdessen auf ein „frisches" Netz wie 192.168.1.0/24, dann liegen diese Geräte plötzlich im falschen Subnetz — und sind nicht mehr erreichbar.

Das fühlt sich im Fehlerfall besonders fies an, weil das Symptom irreführend ist:

Das Gerät antwortet auf Ping, aber jede SSH-/Web-Verbindung läuft in einen Timeout. Ursache ist fast immer der Subnetz-Mismatch, kein Hardware- oder Software-Defekt.

Besonders unangenehm wird es bei Servern mit verschlüsselter Platte und Remote-Unlock (dropbear im initramfs): Wenn deren fest hinterlegte Unlock-IP im alten Netz liegt, kommst du nach einem Reboot nicht mehr zum Entschlüsseln — obwohl der Server „läuft". Auch das löst sich schlagartig, sobald die OPNsense wieder im passenden Subnetz ist.

Merke: Erst wenn alles läuft und du Zeit hast, kannst du geplant auf ein neues Netz umnummerieren — Gerät für Gerät. Nicht beiläufig bei der Migration.

Schritt 3: DHCP auf der OPNsense einrichten #

Aktiviere den DHCP-Server auf dem LAN-Interface mit einer Range, die deine statischen Geräte ausspart (z. B. .100–.199). Für Server, die immer dieselbe Adresse brauchen, nimm eine DHCP-Reservierung per MAC statt einer statischen IP im Gerät selbst:

  • Die Reservierung lebt zentral in der OPNsense.
  • Ändert sich mal etwas am Netz, zieht das Gerät automatisch mit — es strandet nicht wie eine im Host fest verdrahtete IP.

Schritt 4: DNS — bewusst getrennt lassen #

Wenn du bereits Pi-hole (+ Unbound) auf einem separaten Gerät betreibst: lass es dort. Die OPNsense verteilt per DHCP einfach die Pi-hole-IP als DNS-Server an die Clients.

Der Grund ist Ausfallsicherheit, und du merkst ihn spätestens beim ersten Router-Reboot: Jedes Mal, wenn du an der OPNsense schraubst oder sie neu startest, fiele im ganzen Haus das DNS aus — „Internet geht nicht" —, wenn die Namensauflösung nur auf der OPNsense läge. Auf einem separaten Pi läuft sie währenddessen einfach weiter.

Konsolidieren (DNS + Adblocking direkt in OPNsense-Unbound mit DNSBL) kannst du später immer noch, wenn dir der Extra-Kasten wichtiger ist als die Trennung.

Schritt 5: Einen Dienst von außen erreichbar machen (Port-Forward) #

Was früher in der FritzBox unter „Portfreigaben" lief, macht jetzt die OPNsense unter Firewall → NAT → Port Forward. Beispiel für einen internen Dienst auf 192.168.178.10:8000:

FeldWert
InterfaceWAN
ProtokollTCP
Ziel (Destination)WAN address
Ziel-Portdein externer Port
Redirect target IP192.168.178.10
Redirect target port8000
Filter rule associationPass (erzeugt die Firewall-Regel automatisch)

Tipp: Du kannst den externen Port vom internen entkoppeln — außen z. B. 443 anbieten, intern auf einen anderen Port weiterleiten. Praktisch, wenn der interne Port schon belegt ist.

Schritt 6: Nach außen härten #

OPNsense ist ab Werk schon recht dicht (Default-Deny auf WAN, stiller Drop). Ein paar sinnvolle Handgriffe:

  • Nur öffnen, was nötig ist. Jeder Port-Forward ist eine bewusste Entscheidung — ein Scan deiner IP soll nur die Dienste sehen, die wirklich laufen müssen.
  • Management aufs LAN binden. Web-GUI (und SSH, falls aktiv) nur auf dem LAN-Interface lauschen lassen — dann antwortet die Verwaltung nie nach außen, selbst bei einer Fehlkonfiguration.
  • WAN-Filter prüfen: Block private networks und Block bogon networks auf dem WAN aktiv lassen (anders als beim Setup hinter der FritzBox, wo sie aus müssen — hier hängt die OPNsense direkt am öffentlichen Netz).

Die Stolperfalle, die man erst spät merkt: nicht vom USB-Stick dauerbetreiben #

Verlockend ist es, OPNsense „erstmal" von einem USB-Stick zu betreiben, bis die richtige SSD da ist. Mach das nur zum Testen. Ein USB-Stick verträgt die vielen Schreibvorgänge und vor allem unsaubere Neustarts schlecht. Nach einem Stromausfall oder harten Reboot fährt das Dateisystem einen Reparaturlauf (fsck) — und dabei kann durchaus mal ein Systemdienst Schaden nehmen (bei uns startete danach syslog-ng nicht mehr, das komplette Logging war weg, während Routing und Firewall unbeeindruckt weiterliefen).

Empfehlung: Installiere OPNsense von Anfang an auf eine kleine SSD (M.2/SATA, 120 GB reichen dick) und nutze den Stick nur als Installationsmedium. Und mach dir gleich ein Config-Backup — OPNsense kann das automatisch z. B. auf eine Nextcloud sichern.

Fazit #

Die Migration selbst ist unspektakulär — FritzBox in den AP-Modus, OPNsense als Router, DHCP einrichten, fertig. Die Zeit kostet nur das, was in keiner Klick-Anleitung steht: das richtige Subnetz behalten, DNS getrennt lassen und nicht dauerhaft vom Stick booten. Wer diese drei Dinge beachtet, hat den N100 in einer halben Stunde als sauberen Haupt-Router laufen — die FritzBox macht dann nur noch, was sie am besten kann: WLAN und Telefonie.

Häufige Fragen

Kann die FritzBox als Access Point hinter OPNsense weiterlaufen?
Ja. In der FritzBox unter Heimnetz, Netzwerk, Netzwerkeinstellungen den Access-Point- bzw. IP-Client-Modus aktivieren: Dann schaltet sie ihren DHCP-Server ab, hört auf zu routen und bleibt als WLAN-AP und Switch nutzbar. Verbunden wird sie über einen LAN-Port, nicht über den WAN/DSL-Port, und sie bezieht ihre IP von der OPNsense.
Welches Subnetz sollte ich bei der Migration zu OPNsense wählen?
Behalte das Subnetz, das deine bestehenden Geräte schon nutzen — wer von der FritzBox kommt, ist meist im 192.168.178.0/24. Ein frisches Netz lässt alle Geräte mit statischer IP im falschen Subnetz stranden. Das typische Symptom: Das Gerät antwortet auf Ping, aber SSH- und Web-Verbindungen laufen in einen Timeout.
Reicht ein N100-Mini-PC als OPNsense-Router?
Ja. Der N100 hat genug Takt für Multi-Gigabit-Routing, ist passiv oder sehr leise, sparsam im Verbrauch, und die üblichen Mini-PCs bringen zwei bis vier Intel-2.5G-Ports mit. Für einen Kabel- oder Glasfaseranschluss langweilt sich die CPU — der Router ist hier nie der Flaschenhals.
Kann ich OPNsense dauerhaft vom USB-Stick betreiben?
Nur zum Testen. Ein USB-Stick verträgt die vielen Schreibvorgänge und vor allem unsaubere Neustarts schlecht — nach einem Stromausfall kann beim Reparaturlauf des Dateisystems ein Systemdienst Schaden nehmen. Installiere OPNsense von Anfang an auf eine kleine SSD, 120 GB reichen dick.
Sollte DNS auf der OPNsense oder auf einem separaten Pi-hole laufen?
Wenn Pi-hole plus Unbound bereits auf einem separaten Gerät läuft, lass es dort und verteile die Pi-hole-IP per DHCP als DNS-Server. Der Grund ist Ausfallsicherheit: Läge die Namensauflösung nur auf der OPNsense, fiele bei jedem Router-Reboot im ganzen Haus das DNS aus.

Weiterlesen