Guides · OPNsense
OPNsense hinter der FritzBox betreiben: Setup ohne Doppel-NAT-Chaos
Wie du OPNsense sinnvoll hinter einer FritzBox einrichtest: Exposed Host, eigenes Transfernetz, DHCP und die typischen Stolperfallen mit Telefonie und IPv6.
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Viele Homelabs starten mit derselben Ausgangslage: Die FritzBox muss bleiben (Telefonie, Vermieter-Anschluss, WLAN für die Familie), aber dahinter soll eine richtige Firewall arbeiten. Dieser Guide zeigt das übliche und bewährte Setup: OPNsense als eigener Router hinter der FritzBox.
Die Architektur
Internet ── FritzBox (192.168.178.1)
│ „Transfernetz“ 192.168.178.0/24
└── OPNsense WAN (192.168.178.2, statisch)
│
└── OPNsense LAN (z. B. 192.168.10.1/24)
└── dein eigentliches Netz + VLANs
Die FritzBox bedient nur noch Internet und Telefonie. Alles hinter der OPNsense — Server, Clients, VLANs — kontrolliert die OPNsense. Das Netz zwischen beiden Geräten (das FritzBox-LAN) wird zum reinen Transfernetz.
Schritt 1: OPNsense-WAN eine feste IP geben
Gib dem WAN-Interface der OPNsense eine statische Adresse im
FritzBox-Netz, z. B. 192.168.178.2, Gateway 192.168.178.1. Alternativ
funktioniert DHCP mit einer festen Zuweisung in der FritzBox
(Heimnetz → Netzwerk → dem Gerät immer die gleiche IP zuweisen).
Wichtig auf dem WAN-Interface der OPNsense: Die Haken „Block private networks“ und „Block bogon networks“ müssen deaktiviert werden — das WAN hängt hier in einem privaten Netz, sonst blockt OPNsense den eigenen Upstream.
Schritt 2: Exposed Host in der FritzBox
Damit Portweiterleitungen, VPN-Einwahl und späteres NAT sauber bei der OPNsense ankommen, trägst du sie in der FritzBox als Exposed Host ein: Internet → Freigaben → Gerät für Freigaben (Exposed Host) → die OPNsense auswählen. Die FritzBox reicht dann alle unangeforderten eingehenden Pakete an die OPNsense weiter — die entscheidet ab jetzt selbst, was rein darf.
Ein Exposed Host ist hier kein Sicherheitsrisiko wie bei einem PC: Dahinter steht ja gerade eine Firewall, deren Standardverhalten „alles eingehend verwerfen“ ist.
Schritt 3: Doppel-NAT — lassen oder auflösen?
In diesem Setup NATtet zweimal jemand: die FritzBox (öffentlich → Transfernetz) und die OPNsense (Transfernetz → LAN). Für die meisten Zwecke — Surfen, Streaming, Selfhosting mit Reverse Proxy, WireGuard — ist das völlig unproblematisch, solange der Exposed Host gesetzt ist.
Wer das zweite NAT vermeiden will, kann auf der OPNsense unter Firewall → NAT → Outbound auf manuelles NAT umstellen und die Regel fürs LAN entfernen — dann braucht die FritzBox aber statische Routen in die OPNsense-Netze (Heimnetz → Netzwerk → IPv4-Routen). Empfehlung fürs erste Setup: Doppel-NAT einfach akzeptieren, es funktioniert zuverlässig.
Schritt 4: DHCP und DNS trennen
- FritzBox: DHCP kann aktiv bleiben — sie vergibt nur noch Adressen im Transfernetz (idealerweise ist dort außer der OPNsense kaum noch ein Gerät).
- OPNsense: übernimmt DHCP und DNS für alle eigenen Netze. Trage bei den DHCP-Optionen der OPNsense sich selbst als DNS-Server ein und nutze Unbound — so landen deine Clients nicht versehentlich auf der FritzBox.
Geräte, die noch direkt an der FritzBox hängen (z. B. das Familien-WLAN), bleiben davon unberührt — eine saubere Trennung zwischen „Familiennetz“ und „Labnetz“ ist für den Anfang sogar praktisch.
Typische Stolperfallen
- IPv6: Die FritzBox delegiert nicht ohne Weiteres ein Präfix an Downstream-Router. Wenn du IPv6 im LAN hinter der OPNsense brauchst, stelle in der FritzBox DHCPv6-Server mit Präfix-Delegation ein (Internet → Zugangsdaten → IPv6) und konfiguriere das OPNsense-WAN als DHCPv6-Client mit Prefix Delegation. Für den Einstieg kannst du IPv6 hinter der OPNsense auch zunächst weglassen.
- Telefonie/Smart-Home der FritzBox bleibt an der FritzBox — nicht versuchen, DECT- oder FritzBox-Funktionen „durchzureichen“.
- Hairpin-NAT: Interne Zugriffe auf die eigene öffentliche Adresse funktionieren im Doppel-NAT oft nicht sauber. Lösung: Split-DNS — interne Namen in Unbound direkt auf interne IPs auflösen.
Nächste Schritte
Sobald dieses Fundament steht, folgen die eigentlichen Gewinne: VLAN-Segmentierung, ein Gastnetz, WireGuard für unterwegs und DNS-Filterung — jeweils vollständig unter deiner Kontrolle, unabhängig davon, was die FritzBox kann.